Nachtrag zur Veranstaltung


Argumente gegen PEGIDA


Böse und gute Patrioten im Clinch

Empfehlung zum Lesen:
Das Volk: eine furchtbare Abstraktion

Seid PEGIDA unter der Parole „Wir sind das Volk!“ Demonstrationen veranstaltet gibt es einen Streit darum, wer überhaupt mit Fug und Recht auf sich als das wirkliche Volk verweisen darf. Beide Seiten reklamieren die Parole für sich, PEGIDA um sich damit Gehör zu verschaffen, Anti-PEGIDA um PEGIDA zu übertönen, moralisch ins Abseits zu stellen.
Dabei verweisen die Anti-PEGIDAs auch auf 1989, wo sich gezeigt haben soll, dass das wirkliche Volk so ganz anders sein soll als PEGIDA, weil es sich souverän eine neue Herrschaft, und zwar die jetzt immer noch herrschende bundesrepublikanische Demokratie bestellt haben soll – in der die Einheit von Volk und Staat verwirklicht ist, und in der vor allem (in Absetzung zu PEGIDA) die Ausländer willkommen sind, weil sie Deutschland nützen: Als Facharbeiter, als Wissenschaftler, als Künstler, weil sie Deutschland bunt machen, oder einfach nur weil ihre (staatlich streng reglementierte!) Anwesenheit Deutschland zu einem achtbaren Staat macht.

Ein Volk zu sein gilt beiden Seiten als Inbegriff ihrer kollektiven Identität. Im „Wir sind das Volk!“ bekennen sich die Volksgenossen selbstbewusst zur Unterordnung unter die herrschende Sortierung von Volk und demokratischer Regierung. Sie werden zugleich und ausgerechnet deswegen anspruchsvoll: Von ihrer Herrschaft fordern sie gutes Regieren und von den Regierten anständiges Verhalten und Beiträge zum Nutzen der Nation. Und auch wenn sich ihre Ansprüche (gar nicht so sehr) unterscheiden, so wissen doch beide Seiten sehr genau zu unterscheiden zwischen Volksgenossen und Fremden. Und auch das eint sie: Beide Seiten tun so, als wären sie als Volk die eigentlichen Auftraggeber der Politik, die das Volk regiert.
Dass das nicht nur ein Widerspruch, sondern ein Fehler ist – und zwar schon lange bevor sich dieses Selbstbewusstsein zu Privatgewalt gegen die vermeintlichen Störer des Rechts der Volksgemeinschaft auf Erfolg verlegt – kommt den selbstbewussten Volksgenossen nicht in den Sinn.
Deshalb soll hier auf einen Artikel aufmerksam gemacht werden, der einiges erklärt über eine vermeintlich banale, in Wirklichkeit überhaupt nicht harmlose Tatsache: „Volk: das ist, folgt man der praktisch verbindlichen Festlegung moderner Gesetzgeber, nichts weiter als die Gesamtheit der Bewohner eines Landes, die eine zuständige Staatsmacht zu ihren Angehörigen erklärt. Diese bilden – ungeachtet ihrer natürlichen wie gesellschaftlichen Unterschiede und Gegensätze – ein politisches Kollektiv, indem sie ein und derselben Staatsgewalt untergeordnet sind. Ihre Verpflichtung auf dieselbe Herrschaft und deren Programm ist die gemeinsame Sache, für die sie als Volk einstehen.“ Aus der Einleitung des Artikels:

Das Volk:
eine furchtbare Abstraktion
GegenStandpunkt 1-2006
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